BUCHREZENSIONEN. FILMKRITIKEN. ZITATESAMMLUNGEN.

1. Mai 2023

UNSERE TRAUMATA WIEGEN VIEL / REZENSION "DER EMOTIONALE RUCKSACK" VON VIVIAN DITTMAR

 

INHALT Der emotionale Rucksack – das sind die schwierigen, unaufgearbeiteten Gefühle aus der Vergangenheit, die jeder mit sich herumschleppt: Angst, Wut, Trauer, Schmerz und andere mehr. Sie belasten uns im Alltag, in der Beziehung und im Job, indem sie zu emotionalen Überreaktionen führen und so selbst harmlose Situationen eskalieren lassen. Vivian Dittmar, bekannte Referentin und Seminarleiterin, stellt einen neuen, heilsamen Umgang mit dem emotionalen Rucksack vor. Sie zeigt, wie wir ihn kontrolliert und bewusst entladen können, sodass wir endlich freier und mit weniger Ballast durchs Leben gehen, ohne bei jeder Kleinigkeit aus der Haut zu fahren. So wird es sogar in emotionalen Ausnahmezuständen möglich, mit uns und anderen gelassener umzugehen.

ERSTER SATZ Es gibt Momente im Leben, da verstehen wir uns selbst nicht mehr.

MEINE MEINUNG Der erste Satz dieses Ratgebers hat mich auf dem richtigen Fuß ertappt. Denn es stimmt - natürlich gibt es in jedermanns Leben die ein oder anderen Augenblicke, in denen wir uns selbst nicht erkennen. In denen wir emotional aktiviert sind, uns dessen aber nicht bewusst. Solch einen Moment beschreibt Vivian Dittmar eindrucksvoll und mehrfach in ihrem Ratgeber "Der emotionale Rucksack" in dem sie die Metapher aufgreift, dass die meisten Menschen wortwörtlich ein Päckchen zu tragen haben. In dem Rucksack schleppen wir nicht verarbeitete Gefühle und Traumata mit uns herum.

Während in zum Ende des Ratgebers nicht das Gefühl hatte, etwas Gänzlich Neues erfahren zu haben, waren doch einige interessante Erkenntnisse dabei, die ich nicht missen müssen. Gefühle und Emotionen sind nicht das Gleiche, sondern unterscheiden sich darin, dass Emotionen meist mit der Vergangenheit verknüpft sind, während Gefühle vielmehr im Moment auftreten und verlangen, gefühlt zu werden. Die Autorin gibt einige sinnvolle, aber auch einige experimentelle Ansätze, emotionale Altlasten aufzuarbeiten. Einige davon haben mir besser gefallen als andere. 

Besonders die Ausarbeitung rund um die emotionale Aktivierung hat mich fasziniert, weil ich das Thema noch nie so sondiert betrachtet habe. Wenn unsere emotionale Steuerung entgleist, sind wir nicht mehr Herr unserer Selbst und verhalten uns, wie wir sonst nie agieren würden. Wir fluchen, werfen Dinge durch die Gegend und tun für uns untypische Dinge. Dieses Chaos kann je nach Temperament und Art der emotionalen Ladung komplett unterschiedlich sein: Während der eine haltlos in Tränen ausbricht, bekommt der andere einen Wutanfall. Ein Dritter hat eine Panikattacke, während ein Vierter plötzlich von Selbsthass überflutet wird. 

Besonders rund war für mich das Ende, das betont, dass unser emotionaler Rucksack nicht nur ein Päckchen voller Altlasten ist, sondern ein Geschenk. Die Einladung, sich mit seiner Vergangenheit heilend auseinanderzusetzen. Und genau das fällt im Alltag so oft schwer, weil es einer Vielzahl von Menschen schwerfällt, sich selbst zu priorisieren. Und wenn wir es tun, ist die Joggingrunde um den Block meist relevanter oder präsenter als eine psychische Reise in die Vergangenheit.

Der Ratgeber zeigt eindrucksvoll, wie wichtig der richtige Umgang mit emotionalen Altlasten ist und gibt zahlreiche Taktiken dafür an die Hand. Obwohl sich einiges wiederholt, sind die Kernaussagen sehr interessant und relevant. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen